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Autor: Betreff: Poststrukturalistische Magie
Practicus
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red_folder.gif erstellt am: 13/5/2010 um 23:46  
Das Problem mit einem Großteil moderner Magie ist der innere Widerspruch, dass sie im Grunde genommen überhaupt nicht modern ist. Sofern man ein Primitivist ist, mag dieses Verhalten erklärbar sein, aber ansonsten stehen die Karten der Authenzität auf Verderben.
Das Problem scheint zu sein, dass unsere eigenen magischen Wurzeln äußerst effektiv in den Untergrund vertrieben worden sind und von da an praktisch aufhörten, sich in kulturell bedeutsamer Weise weiterzuentwickeln, sodass Magie heute entweder zu einer Art nostalgischer Vereinsmeierei oder zur ultimativen Geheimgesellschaft mutiert – obwohl ich mir im Klaren darüber bin, das ein Teil dieses Wissens „okkult“ sein muss, so bin ich doch nicht davon überzeugt, das dem immer so war – die Alchemie zum Beispiel erfreute sich zu ihrer Blütezeit einer solchen Beliebtheit, das man die Bücheranzahl nicht mehr überblicken konnte und quasi wöchentlich neue Laboratorien aus dem Boden sprießten.
Eines der Resultate dieses kulturellen Verlustes mag das enorme Interesse westlicher Menschen an Schamanismus, östlicher Weisheit usw. sein, doch dürfen wir nicht vergessen, das diese Menschen in einem vollkommen anderen Umfeld leben und deren Erfahrungsschatz wenig mit unserem Leben gemein hat. Deswegen sehe ich den Ausweg einzig und allein in der „harten Schule“ - all dies aus der Asche des Gestern wieder emporzuheben, und zu einem magischen Synkretismus explizit westlicher Ausrichtung zu formieren. Das ist ganz gewiss nicht meine Idee, Gott sei dank! - es passiert bereits. In den späten Siebzigern schrieb Peter Carroll sein „Liber Null“ und Terence McKenna fing an seine ersten Bücher zu veröffentlichen. Ich finde es bezeichnend, dass Carroll in seinem Werk den Begriff „Psychonaut“ in die Magick einführt – erstmals von Ernst Jünger benutzt bezeichnet dieser Terminus die Suche der westlichen Zivilisation, die in den 40er Jahren anfing durch psychedelische Drogen etwas von der ursprünglichen Einheit zu erfahren. Und beinahe bis heute ist es dabei geblieben – die Psychonautik operiert nach wie vor als kühner Feldforschtrupp und das ist auch gut so, aber ich glaube, dass es langsam Zeit wird deren Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Und das muss nicht in hermetischer Weltverschlossenheit geschehen – es gibt absolut keinen Grund diese Themen nicht zu diskutieren, gemeinsam weiterzuentwickeln und aktiv zu praktizieren. Eine der Sachen, die mich an den Amazonasvölkern immer fasziniert hat, ist deren Offenheit für Spiritualität – einige haben das „demokratischen Schamanismus“ genannt. Es ist dort nicht so, dass der Schamanismus toleriert wird, sonder so, dass beinahe jeder ein Schamane ist – mit all den Eigenheiten, Traditionen und der Individualität. Wie es im Deutschland des 18. Jahrhunderts mit der Alchemie stand. Und wie es auch das Wesen der psychedelischen Erfahrung ist – du musst nicht erst einer Loge beitreten und in den niederen Graden ausharren oder 10 Jahre den Boden eines Ashram putzen – augenblicklich wirst du in die Erfahrung der mystischen Einheit katapultiert. Das ist eine höchst demokratische Angelegenheit und absolut authentisch.

Die Ansätze der Chaosmagie sind vielversprechend, doch sie müssen beständig weiterentwickelt werden – wir brauchen den gesunden Pragmatismus der Tat, - das Ritual ist der stilisierte Ausdruck unserer alltäglichen Erfahrungswelt, also muss es auch einen alltäglichen Charakter haben. Deswegen dürfen wir uns auch nicht mit veralteten Systemen begnügen, die wir annäherend kaum verstehen – ohne Zweifel, die Kabbala, das Rosenkreuzertum, die Alchemie haben alle ihre Geschichte und eine gute Portion Symbolkraft inne – aber die Zeiten sind vorbei, in denen Zauberer lange Bärte tragen und lateinische Formeln in ihren Bart murmeln. Ich spreche mich nicht gegen Synkretismus aus, in dem Sinne, das man sich brauchbare Konzepte, mögen sie nun aus dem hellenitischen Griechenland oder dem archaischen Babylon kommen, aneignet – aber wir dürfen nicht zum Opfer tradierter Systeme werden.

Und wieder geht der amazonische Schamanismus mit gutem Beispiel voran: >>Schamanen eignen sich andauernd symbolisch jede Innovation an, die sie sehen oder von der sie hören. Sie verwenden sie in ihren Visionen als klare Metaphern, um die Welt der Geister weiter zu erforschen, ihr Wissen zu erweitern, oder um sich vor übernatürlichen Angriffen zu schützen....Ein vegetalista, der in Iquitos lebte, sagte, dass er neben Engeln mit Schwertern und Soldaten mit Gewehren einen Kampfjet hat, den er benutzt, wenn er von starken Zauberern angegriffen wird.<<


Es gibt also zwei klar umrissene Punkte, die wir wiederentdecken müssen:
1. Demokratisierung der Magie
2.Pragmatische Überarbeitung der Symbolsysteme

Wie kann das aussehen, eine pragmatische Überarbeitung unserer Symbolsysteme?? Die erste Metapher, die ins Auge springt, ist die der Kybernetik. Computer bestimmen unser aller Leben, warum sollten wir sie nicht magisch nutzen? Weiter: Moderne Psychologie, Neurologie, Genetik. Wir dürfen uns nicht dümmer machen, als wir sind. Der westliche Rationalismus hat seine Schattenseiten, aber die können wir nicht überwinden, wenn wir den Fehler begehen, ihn abzuwehren und uns in die gute alte Zeit zu flüchten (wie es Ardorno und Horkheimer in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ beschreiben.)
Eines der brauchbarsten Systeme für magische Operationen, auf das ich gestoßen bin, ist Timothy Leary's Modell der neuronalen Schaltkreise – ferner gibt es auch von John C. Lilly ein ähnliches Modell; Lilly war der erste, der vom menschlichen Organismus als Bio-Computer sprach. Der Therapeut Stanislav Grof entwickelte aufbauend auf seine Atemtherapie ein eigenes Bezugssystem, das den beiden genannten ähnelt und für uns greifbarer ist, als irgendwelche Theorien der letzten 400 Jahre. „Die Karte ist nicht das Territorium“ wie Alfred Korzybski sagte (die Sprachwissenschaften bilden einen weiteren Bezugspunkt – Allgemeine Semantik, Semiotik, Neurolinguistik) – das Ritual agiert immer nur als Übersetzter, als Bezusgrahmen für die Erfahrung – solange du es verstehst, ist alles in Butter.
In den Achtzigern Jahren erschien ein Klassiker der Cyberpunk-Bewegung von William Gibson, der augenscheinlich die moderne Welt der Kybernetik und Neurologie mit Magie verband: - Neuromancer.
In solchen Science-Fiction Büchern, in den Praktiken der Hacker usw. finden wir unseren Alltag eher als in staubigen Grimoires und astrologischen Theorien. Terence McKenna brachte einmal den interessanten Ausspruch: Kultur ist dein Betriebssystem!
Wir können uns neue Software downloaden, permanent, - wir können Betribesysteme installieren, die mehr Möglichkeiten unterstützen – wir können opensource-Software veröffentlichen, sprich diskutieren und experimentieren. Wir können veraltete und unbrauchbare Festplatten löschen. Es wir Zeit, dass wir den Bio-Computer neu-programmieren und weiterentwickeln...

„Jede Vorstellung einer Vergangenheit, die die Gegenwart ausschließt, ist eine Illusion, da sie Energie von unserem einzigen Machtzentrum abzieht: der Wahl im Jetzt. Der authentische Schamane vergißt dies niemals – seine Effektivität wird an seinem pragmatischen Verständnis und seiner Akzeptanz der Einen Welt gemessen. Im Gegensatz dazu ist der romantische Traditionalist nahezu immer ein Dilletant.“ (Jim DeKorne)

Weiterführende Links:

Zu den neuronalen Schaltkreisen: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:Aao7gr EEugMJ:www.gm.fh-koeln.de/~bundschu/gedanken/wilson.ps+gedanken+neue+promet heus&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

Kultur ist dein Betriebssystem: http://www.youtube.com/watch?v=HZpDixsEuSM

Chaosmagische Textsammlung (englisch): http://www.philhine.org.uk/writings/index_e-books.html


[Editiert am 13/5/2010 um 23:55 von Lug Skywalker]



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mundus vult decipi
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Magister Templi
Magister Templi


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red_folder.gif erstellt am: 13/5/2010 um 23:53  
Zuviele (für mich)Worte verdünnen die Substanz.
Was willst du?
Profil anzeigen Nach allen Beiträgen dieses Users suchen Antwort 1
Practicus
Practicus


Beiträge: 104
Registriert: 14/4/2010
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red_folder.gif erstellt am: 13/5/2010 um 23:56  
Ich hatte Lust einige Ideen aufzuschreiben - wenn du zu faul bist, es zu lesen, tu's nicht :D


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mundus vult decipi
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Adeptus Exemptus
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Cryz-Tyan
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red_folder.gif erstellt am: 14/5/2010 um 07:41  
hervorzuheben:
Kritik an dem Verhaftet beleiben um der Sache Willen, ohne tieferes Verständnis. Kritik an der verschlossenheit und deren Führungsformen bzw. die Existenz einer solchen.

Meine Anmerkung/Kritik:
Die Verschlossenheit und Existenz von Führungsformen entspricht unserer Kultur, hat sich daraus entwickelt. Ich vermute, um den Fuss in die Türe bekommen zu können und den anderen bekannnten Dingen wie Machtgewinn....etc.....
Ich denke, dass Rituale GERADE WENN sie dem alltäglichen Erleben widersprechen eine ganz eigene Kraft entwickeln. Es MUSS keinen alltäglichen Charakter haben.
Umgekehrt kann es sehr hilfreich sein in seinem Alltag ein Alltagssprachliches Ritual zu verwenden. Das Verständniss ist die Hauptsache.
Die Metapher der Kybernetik kann für jemanden sehr schön sein. Für mich ist sie schön, interessant und ich kann dich verstehen. Aber es gibt für mich schönere, da mir das lebendige fehlt.
Überhaupt ist die jeweilige Sprachwahl und die Wahl von Vorstellungen hauptsächlich eines:
Geschmacksache.
Ich meine damit, dass dein Schreibstil deinen Bildern von Schönheit entspricht.
Und dies ist keine Kritik, sondern Anmerkung.

Kritikwürdig ist meiner Meinung nach das "nicht verstehen wollen". Das ultimative absprechen von Schönheit. Das beharren auf seiner Sicht und die unbeweglichkeit eines Steines.
Aber dies gilt nicht dir.
LG
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Practicus
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red_folder.gif erstellt am: 14/5/2010 um 13:57  

Zitat:
Ich denke, dass Rituale GERADE WENN sie dem alltäglichen Erleben widersprechen eine ganz eigene Kraft entwickeln. Es MUSS keinen alltäglichen Charakter haben.


natürlich spielt ein ritual in einem heiligen raum, und nicht in der profanen alltäglichkeit, aber die metaphern, die wir verwenden, können unserer täglichen erfahrungswelt entsprechen. ein schönes beispiel dafü sind knidermärchen. lewis carroll oder janosch z.b. beherbergen eine gane armee an zeitgenössischen symbolen.

Zitat:
Das ultimative absprechen von Schönheit.


ich glaube, dass unsere "waffen" einzig und allein auf schönheit beruhen sollten. deswegen macht sich in meiner praxis eine schamanentrommel so gut wie ein stroboskob ;)


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mundus vult decipi
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Magus
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red_folder.gif erstellt am: 14/5/2010 um 15:59  
Hallo Lug Skywalker,


verstehe ich Dich richtig, dass Du der Meinung bist, dass die Magie neu erfunden werden soll?
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Ipsissimus
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Snowwulf
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red_folder.gif erstellt am: 16/5/2010 um 20:41  

Zitat von Vau, am 13/5/2010 um 23:53
Zuviele (für mich)Worte verdünnen die Substanz.
Was willst du?


*zwinker*

kann ich verstehen.. Ich werd es mal versuchen, und demnächst meinen "Kommentar" zu schreiben...


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Ipsissimus
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Eliphas Leary
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red_folder.gif erstellt am: 17/5/2010 um 15:07  
Interessanter Text, aber im Grunde nichts neues. Ähnlich wie in den Neunzigern jede Band versuchte, einen neuen Musikstil zu entwickeln (von Strandpunk bis Tekknometal), gibt es heutzutage jede Menge Leute, die sich in den Versuchen ergehen die Magie neu zu erfinden (von IOT-Imitaten bis hin zu Cybermagiern und Technomancern).
Vielleicht hilft es ein wenig weiter - auch beim Erschließen "veralteter" Symbolsysteme - wenn man versucht, die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Beispielsweise findet sich in Tim Leary's Schaltkreismodell eine deutliche Parallele zum yogischen Chakramodell oder zu den Sephiroth der Kabbalah. Diese Gemeinsamkeiten führen dahin, daß man die große Gemeinsamkeit aller magischen Systeme findet: den menschlichen Körper. Die "geistigen" Modelle, Tempel, Diagramme und Bezugssysteme der unterschiedlichen Traditionen sind in gewisser Weise Kontemplationen des menschlichen Körpers.

Es gab in der Geschichte der europäischen Magie in den letzen paar Jahrhunderten zwei große Entwicklungen:
Einerseits die Entwicklung immer neuer und spezieller Systeme, z.B. Rosencreutzertum, Druiden, Hexerei, Gnosis, Satanismus, "Schamanismus", udgl.
Andererseits die Zusammenführung all dieser Systeme, z.B. in einigen maurerischen Hochgradsystemen, im Wicca, in Thelema oder der Chaosmagie.

Da ist also eine Entwicklung im Gange, an der wir alle teilnehmen...


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"Der größte Trick den der Teufel jemals abgezogen hat war es, die Leute glauben zu machen er sei am Kreuz für ihre Sünden gestorben..."

Eliphas Leary's kleine Videoserie über Magie...
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Gast

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red_folder.gif erstellt am: 17/5/2010 um 23:13  
Haha, immer wenn Eliphas was schreibt, muss ich mir vorstellen, wie er das mit seiner beruhigenden Stimme in einem seiner Videos sagt :-))) Es ist nicht abzustellen!
Antwort 8
Practicus
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red_folder.gif erstellt am: 18/5/2010 um 12:12  

Zitat:
Haha, immer wenn Eliphas was schreibt, muss ich mir vorstellen, wie er das mit seiner beruhigenden Stimme in einem seiner Videos sagt :-))) Es ist nicht abzustellen!


:D geht mir ähnlich.

Zitat:
Ähnlich wie in den Neunzigern jede Band versuchte, einen neuen Musikstil zu entwickeln (von Strandpunk bis Tekknometal), gibt es heutzutage jede Menge Leute, die sich in den Versuchen ergehen die Magie neu zu erfinden (von IOT-Imitaten bis hin zu Cybermagiern und Technomancern).


ja genau, das finde ich auch irre wichtig. um deine metapher der neunziger aufrechzuerhalten: den quantensprung, den musik in dieser zeit vollzogen hat, ersehne ich mir für die magie.
es geht aber nicht wirklich darum sie neuzuerfinden, sondern sie sich anzueignen - sie in einen kontext zu translatieren, der uns gefällt. wenn man techno und metal mag, erscheint doch nichts sinnvoller als die fusion dieser beiden zweige.
indem punkt, das es beim erschließen veralteter systeme hilft, stimme ich dir vollkommen zu.


ich finde ja auch vor allem carroll's ansatz oder der michael harners - "core-schamansimus" genau diese relativierung auf allgemeine prinzipien, ganz ohne symbolisch-traditionellen balast.
die wicca hingegen empfinde ich anders, viel eingegrenzter, aber das ist ja auch ein riesiger zweig und vielleicht hab ich da einfach einen falschen einblick.

ich bin aber nicht unbedingt der meinung, dass man "magie" einfach auf den grundatz relativieren muss - ich halte das sogar für unmöglich, weil diese einfachen "erklärungen" ja nichts weiter darstellen als unseren gegenwärtigen trip.
die beständige weiterentwicklung und erneuerung - das ist super.
zum beispiel der archetyp der "maschinenelfen", der in mckennas schriften auftaucht. das ist etwas neues und altbekanntes zugleich. dennoch haben maschinenelfen, aliens, dieses ganze science-fiction zeug (unser mythos, der sich zunehmend in die zukunft verlagert, 2012 usw) einen aspekt inne, der für menschen des 21. jahrhunderts einfach greifbarer ist als heilige schutzengel oder sibillen.

ein anderes beispiel: am anfang meiner laufbahn war ich oft von stimmen in meinem kopf verwirrt, die belangloses zeug von sich gaben. am anfang versuchte ich sogar zu entschlüsseln, was das bedeuten soll, bis ich crowley's begriff der "telefonkreuzstimmen" stieß. sofort war die ungewissheit über das ganze thema gebannt. worte dienen ja letztlich einzig und allein der macht (wie die macht, die von der kenntnis der namen gottes und des tetragrammatons ausgeht) und damit indirekt der erschaffung von realität. und telefonkreuz ist eine sehr moderne metapher, die mir aber viel geholfen hat. solche sachen, mein ich :)


[Editiert am 18/5/2010 um 12:28 von Lug Skywalker]



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mundus vult decipi
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Magus
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red_folder.gif erstellt am: 19/5/2010 um 11:23  
die magie "neu" zu erfinden halte ich für eine überhöhung eines kleinen geistes.
wir können sicherlich einen neuen stil, einen neuen kulturellen mantel kreieren aber nicht die magie an sich neu erfinden. wir können über einen neuen stil als moderne menschen einen leichteren zugang zu magie finden. es wurden schon einige neue stilegenannnt wie cypermagie oder chaosmagie genannt.

wobei die wesentliche errungenschaft der chaosmagie ist die ergründung der der magieschen arbeit zugrundeliegenden mechanismen, strukturen, prozesse. diese mechanismen wurden auch in dem buch "anleitung zur wunscherfüllung - innerer und äußerer reichtum durch tarot-pfad-arbeit" dargestellt (leser soll sich an dieser stelle nicht vom titel irritieren lassen). wenn ich kampfmagie betreibe werde ich aus chaosmagischer sicht mit dem roten strahl arbeiten, aus sicht der plantenmagie mit mars, im runen-system mit ... und so weiter. es geht aber um den kollektiven archetyp des kämpfens, den ich persönlich noch dem menschenreich mit den menschlichen göttern (=archetypen) zuordne.

wenn mir das stilmittel eines kampfjets besser gefällt und ich dadurch leichter zugang zur roten energie bekomme, warum nicht. im voodoo verwenden manche priester auch ein telefon um mit den loas zu sprechen.

einen neuen stil zu entwickeln ist ok und gehört möglicherweise zum prozess einer magischen entwicklung. es gibt auch magier, die nicht mal soweit kommen, da sie einfach tief mit einem system identifiziert sind. dies sagt aber nichts über ihren magischen erfolg aus, dieser kann nämlich gewaltig sein.

aber eine solch vermeintliche errungenschaft als innovation hinzustellen halte ich für fraglich. sie ist aus sicht von entwicklungsmodellen wie das schaltkreismodell oder lernen lernen des konstruktivismus nur eine zwischenstufe des menschlichen potenzials. ich persönlich würde es gerade mal als die phase der pubertät bezeichnen, noch weit entfernt vom erwachsen sein, geschweige den einem erwachten bewusstsein, auf welches das schaltkreismodell hinweist. ich habe das buch von wilson nicht mehr so genau im kopf, aber je höher die schaltkreise werden, umso unspezifischer wurde er in seinen anleitungen.

mit anderen worten, es gibt nichts zu entwickeln, sondern gesetzmäßigkeiten des menschlichen geistes zu entdecken und einen schlüssel (stil) zu finden, um mit diesen gesetzmäßigkeiten zu arbeiten.

heute ist der begriff paradigma schon fast allgemeingut in der magischen szene. was liegt den paradigmen des geistes zugrunde. das sehe ich persönlich für den nächsten entwicklungsschritt, den nur wenn ich diese mechanisemen erkenne kann ich weiter gehen und stile als auch die gesetzmäßigkeiten des kollektiven geistes hinter mir lassen und die letzte grenze des menschlichen geistes zu nehmen.
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Practicus
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red_folder.gif erstellt am: 19/5/2010 um 16:31  
ich mag ramsey dukes unterteilung des denkens in magie, kunst, religion und wissenschaft. nun würde ein holistisches hirn sich optimalerweise um diese vier punkte wie ein mandala zentrieren. deswegen halte ich robert anton wilson auch für sehr begabt, weil er eben kein reiner magier ist, kein wissenschaftler oder künstler oder mystiker, aber von allem mehr als viele selbst- oder fremdernannte meister.
natürlich kann es nicht darum gehen, die magie neu zu erfinden - deswegen hab ich den thread ja auch poststrkturalistische magie genannt. die magie folgt einer konsistenten "methode", die in sich aber auch evolutionären entwicklungen unterliegt.
der erste schritt ist sicherlich der, sich klar zu werden, wie diese methode funktioniert und dann wird man merken, dass magie aktueller denn je ist.
die politik nutzt diese methode so gut wie die werbung, wie die neurolinguistischen programmierer, e-prime oder auch die hacker.
ich glaube es war auch ramsey dukes, der meinte, dass das scheinbare verschwinden der magie vielleicht damit zusammenhängt, dass wir alle bessere magier geworden sind.
nun, vielleicht ist dem so und vielleicht auch nicht - auf jeden fall liegt etwas in der luft...sobald wir aber eine bestimmte kritische masse überschreiten, halte ich es wirklich für angebracht von einem paradigmenwechsel zu sprechen.


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mundus vult decipi
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Magus
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red_folder.gif erstellt am: 20/5/2010 um 08:43  
einteilungen mit welchen themen der sucher sich beschäftigen soll gibt es einige, z.b. ken wilber. solche einteilungen geben dem sucher in der anfangsphase eine orientierung. mit fortschreitender entwicklung entfaltet sich der prozess aus dem sucher heraus, d.h. der sucher benötigt keine schubladen mehr sondern der prozess entfaltet sich organisch, natürliches wachstum sozusagen.
jeder autor spricht natürlich immer aus seiner erfahrung, selbst wenn er erwacht sein sollte. aus diesem grund besteht zu einem lehrer resonanz und zu anderen nicht. obwohl möglicherweise beide vom selben sprechen.

ob magie aktueller ist als je zuvor ist eine sichtweise. fakt ist, dass psychologische manipulationsmethoden unter anderem durch massenmedien viel umfänglicher eingesetzt werden. psychologische manipulationsmethoden sind aber nur ein teilbereich der magie. so wie diese methoden heute eingesetzt werden, halten sie die massen in niederen bereichen der evolution fest. dies gilt auch für die sogenannte elite.

es liegt immer etwas in der luft. ich kann diesem gedanken nachgeben und meinen geist in die zukunft projezieren oder ich verweile im "jetzt", dem einzigen reale moment, der viel interessanter ist als die vergangenheit oder zukunft. ich muss innerlich nichts tun, um mein leben interessant zu gestalten. es ist so wie es ist, unendlich reich, im schatten wie im licht.

die kritische masse ist ein gutes bild, die masse der menschen sehe ich nur nicht an diesem punkt. die masse der menschen hat nich nicht mal die geistige entwicklungsstufe der pubertät erreicht, dass ist nicht abwertend gemeint, sondern einfach fakt. als wesentlich erachte ich die anreicherung einer "kritischen masse" im einzelnen, der sucht. für den einzelnen kommt es zum paradigmenwechsel und wenn der sucher noch weiter geht, kommt es zur auflösung aller paradigmen, die evolution innerhalb von maya findet ein ende.

alle strukturen, auch mögliche poststrukturen :-) haben sich aufgelöst. die anwendung von magie ist nicht mehr notwendig, da der moment reine magie ist. im unterschied zu magie, die ein inneres machen ist, ist dies für mich ab einer gewissen entwicklungsstufe der mystische oder auch spirituelle weg.


[Editiert am 20/5/2010 um 08:45 von Alles und Nichts]
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Ipsissimus
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Eliphas Leary
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red_folder.gif erstellt am: 20/5/2010 um 13:23  
Ein paar lose Gedanken zum Thema:

Magie sehe ich als eine gewisse Form "spiritueller Anarchie", was sich folgendermaßen begründen lässt: Das Wort Magie leitet sich von den Magern ab, einem Priestervolk im alten persischen Großreich. Heutzutage ist ein Magier in gewisser Weise ein Priester ohne Religion. Er (oder sie) eignet sich verschiedene Konzepte von "Realität" an, kann zwischen verschiedenen Weltsichten (hochgestochen sagt man auch "Paradigmen") wechseln. Er kann auch anderen Menschen dabei helfen, diese Wechsel zu vollziehen, was ihn für die Autoritäten der verschiedenen Weltsichten zu einem subversiven Element macht.

Nun ist es einerseits schön, wenn man sich möglichst hochgestochen ausdrücken kann und Fremdworte gebraucht, die nur von wenigen verstanden werden. Aber macht das immer Sinn(Es kann eine faszinierende Erfahrung sein, was man bewirkt, wenn man möglichst einfache Worte benutzt)? Zum Wechsel der Paradigmen gehört auch ein Wechsel der Sprache, ein Magier ist also auch ein Übersetzer, ein Weltsichtsdolmetscher.

In unserer Zeit wird häufig gegen organisierte Religion und das von ihnen propagierte Übernatürliche gewettert, was durchaus berechtigt ist. Dabei wird gerne übersehen, daß es auch eine Form von "materialistischem Übernatürlichem" gibt, das für viele Probleme sorgt, die teilweise schwerer wiegen, als alles, was Religionen produzieren können. Zu diesem "materialistischen Übernatürlichen" gehören z.B. Nationen, Titel oder Geld, welche nur in unserer Phantasie existieren.

Das Übernatürliche ist ein Teil der Kommunikation und der Weltbilder. Es bezieht seine Wirksamkeit aus dem die jeweilige Realität konstituierenden Glauben.

Moderne Alchemie transformiert die träge Masse zur kritischen Masse. Somit hilft er der Menschheit dabei, erwachsen zu werden.

Wie gesagt: nur ein paar lose Gedanken. :redhead:


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Magus
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red_folder.gif erstellt am: 20/5/2010 um 17:14  
hallo eliphas,

ich stimme dir zu.

aber warum willst du nur bis zum paradigmenwechsel gehen?
um erwachsen zu werden, nicht im biologischen sinne :-), muss der sucher noch weiter gehen.
sag jetzt nicht, sind ja nur lose gedanken, weil dafür sind sie viel zu stringend.

choyo AuN


[Editiert am 20/5/2010 um 17:16 von Alles und Nichts]
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Ipsissimus
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Eliphas Leary
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red_folder.gif erstellt am: 20/5/2010 um 18:19  
Ahoi Alles und Nichts,

häufig vollzogener willkürlicher Paradigmenwechsel führt doch zur Erkenntnis dessen, was danach kommt (und wenn man diese Erkenntnis per Verkündung vorwegnimmt errichtet man nur ein neues Paradigma). Der wichtigste Schritt zur Zeit ist es aber, als Konservenöffner zu agieren und mit stetem Tropfen die Illusionen der monolithischen Konservatismen zu unterhöhlen...

Mit clownesquem Gruße

EL


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Novize
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red_folder.gif erstellt am: 20/5/2010 um 18:27  
Zitat: "Moderne Alchemie transformiert die träge Masse zur kritischen Masse. Somit hilft er der Menschheit dabei, erwachsen zu werden."

Moderne Alchemie ist Chemie.

Das Kinderstadium einer Spezies gibt es garnicht. Ich denke ich verstehe trotzdem was gemeint ist. Es soll wohl noch eine geistige "Revolution" geben, die den Menschen ein höheres Bewusstsein, ein magisches Bewusstsein, bringt. Das kann aber jeder behaupten und weil keiner in die zukunft sehen kann, werden wir es wohl nicht mehr erfahren, was an dieser Theorie tatsächlich dran ist, daß die Alchemie eine Revolution auslöst.

Die letzen Revolutionen habe zumindest durch Computer und ähnliche geistige Veränderungen des kollektiven Bewusstseins ausgeelöst. Die Alchemie hat bereits eine Revolution ausgelöst, nämlich die Entwicklung der modernen Chemie. Es ist meiner Meinung nach nicht zu erwarten, dass sie eine weitere Revolution auslöst.
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Practicus
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red_folder.gif erstellt am: 20/5/2010 um 20:33  

Zitat:
Magie sehe ich als eine gewisse Form "spiritueller Anarchie"


das erinnert mich zunächst an ein zitat von paul valéry: "jeder mystiker ist empfänglich für anarchie ;-)
heute haben sich ja viele magier das ziel gesetzt das eschaton zu immanentisieren und ich halte das wirklich für eine lobenswerte unternehmung. in der magie ging es in gewisser weise immer darum, meistens unter dem deckmantel der astrologie, das neue äon, das age of aqurius oder eben 2012 vorzubereiten und einzuleiten.
ich meine viele leute vom IoT arbeiten da auch sehr gezielt mit einigen konzepten dran.

Zitat:
Nun ist es einerseits schön, wenn man sich möglichst hochgestochen ausdrücken kann und Fremdworte gebraucht, die nur von wenigen verstanden werden. Aber macht das immer Sinn(Es kann eine faszinierende Erfahrung sein, was man bewirkt, wenn man möglichst einfache Worte benutzt)? Zum Wechsel der Paradigmen gehört auch ein Wechsel der Sprache, ein Magier ist also auch ein Übersetzer, ein Weltsichtsdolmetscher.


um zwei fliegen mit einer klappe zu schlagen, verweise ich auf arthur rimbauds gebrauch des begirffes "schallchemie" ;-) alchemie des wortes schließt eine transformation des beständigen ein, das wird dir auch ein wittgenstein oder korzybski so sagen. die elementare und letzte formel ist das vokabular; diese welt basiert nicht auf quarks, atomen oder ribonukleinsäuren, sondern auf worten.
poetische sprache muss nicht verstanden, sondern erfühlt werden. wenn man der welt etwas wichtiges zu sagen hat, muss man das in möglichst einfacher art und weise tun, ja...ohne jede eristik und rhetorik...und poesie :-)

Zitat:
Die Alchemie hat bereits eine Revolution ausgelöst, nämlich die Entwicklung der modernen Chemie. Es ist meiner Meinung nach nicht zu erwarten, dass sie eine weitere Revolution auslöst.


das halte ich für unfug. die chemie ist die weiterführung alchemistischer sichtweisen, die sich jedoch bloß auf materialistische prinzipien beruft und empirisch arbeitet. damit ging das wesen der alchemie als holistische wissenschaft aber verloren. dennoch ist sie nicht tot, und ein blick in ein buch von, sagen wir, FULCANELLI wird dir zeigen, dass auch die alchemie sich weiterentwickelt. albert hofmann ist vielleicht auch sowas wie ein alchemist. immerhin sagte er: "nur der chemiker, der auch zum mystiker wird, ist ein echter chemiker"

Zitat:
aber warum willst du nur bis zum paradigmenwechsel gehen?
um erwachsen zu werden, nicht im biologischen sinne :-), muss der sucher noch weiter gehen.
sag jetzt nicht, sind ja nur lose gedanken, weil dafür sind sie viel zu stringend.


es geht ja auch um humanismus. individuell kann man direkt bis zum kampfstern vorstoßen, aber andere menschen mitziehen und sich kollektiv weiterentwickeln ist ein nobles ziel.


[Editiert am 20/5/2010 um 20:37 von Lug Skywalker]



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Eliphas Leary
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Zitat von Chloris, am 20/5/2010 um 18:27

Moderne Alchemie ist Chemie.


Nein. Chemie ist das Ergebnis der Arbeit von Leuten, die die Alchemie nicht verstanden und tatsächlich glaubten es ginge darum, aus unedlen Metallen Edelmetalle herzustellen. Daß aus diesem Unverständnis heraus trotzdem etwas wichtiges (aber gleichzeitig auch etwas sehr gefährliches) entstanden ist, kann als Hinweis gelten, was in der Alchemie gewonnen werden kann, so man sie versteht.

@ Lug:

Die Immanentisierung des Eschatons... der Kapitalismus frisst sich selbst und entblöst dabei die Lügen, auf denen er gegründet wurde. Da Krishna (ähnlich Godot) nicht zu kommen scheint, ergreifen wir die Initiative und richten das Dharma wieder auf (Vladimir (impatiently): "Yes, yes, we are magicians.").
Zur Schallchemie: wunderbarer Begriff, das. Aber allein schon die Tatsache, daß die wundervollsten Momente einem die Sprache verschlagen zeigt mir, daß Worte nur Symbole sind, die man arrangieren kann um "Wahrheit" zu spinnen, hinter dem Netz aus diesen Symbolen jedoch schimmert ab und an die "Wirklichkeit" hindurch. Auch Quarks, Ordnungszahlen und Desoxiribonukleinsäuren sind blos "Wahrheiten", versuche der Beschreibung der "Wirklichkeit", der Wechselwirkmechanismen von denen wir kleine Teile sind. Wir sind Filter der Realität... und wieder versagen mir die Worte... :D


[Editiert am 20/5/2010 um 21:59 von Eliphas Leary]



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red_folder.gif erstellt am: 21/5/2010 um 01:56  
:D ich weiss nicht, schön hast du das gesagt.
die poesie kann nur bedeutung frei legen, sie aber nie ganz erfassen.
deswegen redet man ja auch vom unaussprechlichenn.
wie laotse: "ich weiß nicht wie es heißt, ich nenne es TAO"
ganz krass findest du die tatsache, dass quarks usw, nur beschreibungen der wahrhheiten in "gödels theorem" - eine wunderpartie, - eine wissenschaft, die sich selbst wiederlegt.
erinnert mich an alan watts: "das uaussprechliche ist ...(klang eines gongs) - und dem wollen wir keinen namen geben"
trotzdem sehe ich einen sinn darin uns dem wirklichen anzunähern - als dichter, die wissenschaft und die religion liefen uns heute genügend metaphern, um diese phänomene "annähernd" zu beschreiben, und ich spreche aus erfahrung wenn ich sage, dass auch ich schon durch sprache "mystifiziert" wurde.
der verweis auf menschen wie rimbaud, james joyce, william burroughs und etliche mehr kann nicht schaden ;)


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red_folder.gif erstellt am: 21/5/2010 um 08:06  

Zitat:

Zitat von Lug Skywalker, am 20/5/2010 um 20:33

aber warum willst du nur bis zum paradigmenwechsel gehen?
um erwachsen zu werden, nicht im biologischen sinne :-), muss der sucher noch weiter gehen.
sag jetzt nicht, sind ja nur lose gedanken, weil dafür sind sie viel zu stringend.


es geht ja auch um humanismus. individuell kann man direkt bis zum kampfstern vorstoßen, aber andere menschen mitziehen und sich kollektiv weiterentwickeln ist ein nobles ziel.



willst du die welt und die menschen verbessern? da gibt es nichts zu verbesserns, es ist wie es ist. du sprichst genau wie ich immer wieder mystische erfahrungen an. in der mystischen schau erkennt es, dass es nur es gibt und es sich aus sich selbst heraus gebiert.
es gibt niemand anderen außer mir. der glaube eine getrennte person zu sein ist eine illusion. wenn dies aber wahr sein sollte, mal rein hypothetisch, dann gibt es niemanden zu retten, sondern nur die illusion zu durchschauen.
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red_folder.gif erstellt am: 21/5/2010 um 13:21  
ich stimme dir grundsätzlich zu - aber nur, weil man maya durschaut hat, heißt das ja nicht, dass man sich selbstzzfrieden unter einen pipal baum setzt und dort stirbt. auch buddha hat sowas wie eine avant-garde begründet, die dann später zur weltreligion wurde. mir geht es darum, die kosmischen kräfte zu katalysieren - denn natürlich geht ES seinen gang und fließt ganz ohne unser zutun, aber eine spirituelle anarchie oder revolution wird von einigen elementen vehement verhindert.
ich sehe viel sinn darin den menschen klar zu machen, dass sie für sich selbst denken müssen.
und was den solipsimus angeht: ich habe das auch oft so in ekstase erlebt, für die praxis ist das aber ein schwer zu handelnde philosophie...;-)


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red_folder.gif erstellt am: 21/5/2010 um 13:37  
das was geschieht, geschieht aus sich selbst heraus. das ego liefert nur eine unzulängliche übersetzung. wenn "es" durch dich eine spirituelle anarchie sprechen lassen will, wird das so ein.

durch buddha floss die wahrheit, und was hat das menschliche ego in 2500 jahren daraus gemacht, eine religion mit viel aberglauben. es sind nur wenige, die bis zur quelle gesunken sind. natürlich findet man in jeder religion noch die wahrheit, man muss sie nur zu lesen wissen, aber was machen die menschen daraus? nebenschauplätze um ihre egofilme auszuleben.

damit "es" direkt durch eine form sprechen kann, muss das ego zur seite gehen, dass hat nichts mit selbstzufriedenheit und einer falschen ruhe zu tun sonderen mit 100% anwesenheit und hingabe an die kraft, die durch die form fließt. diese kraft kann natürlich auch konfrontieren.

ekstase ist nur eine facette des seins, sie ist nett und ich freuen mich jedes mal, wenn sie da ist. wenn ich aber nach ekstase strebe, verfehle ich die quelle.
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red_folder.gif erstellt am: 21/5/2010 um 16:08  

Zitat:
durch buddha floss die wahrheit, und was hat das menschliche ego in 2500 jahren daraus gemacht, eine religion mit viel aberglauben. es sind nur wenige, die bis zur quelle gesunken sind. natürlich findet man in jeder religion noch die wahrheit, man muss sie nur zu lesen wissen, aber was machen die menschen daraus? nebenschauplätze um ihre egofilme auszuleben.


Naja, ich weiß nicht.... Wenn man Buddhist ist heißt das ja nicht, dass man perfekt ist. Da findet so viel Veränderung statt, dass sogar ein Serienmörder die Buddhaschaft erlangen kann. Dann kann man auch sagen: "Schau mal, was ist draus geworden, ein Serienmörder im Dharma!"... Verstehst du? Dharma ist ja praktisch aus kranken Menschen gesunde Menschen zu machen. Und wenn ich mir da mal den westlichen Müll, die Leute, die das praktizieren und wie die sich verhalten, angucke, weiß ich, dass der Dharma auf jedenfall der richtige Weg für mich ist. Wenn man keine Ahnung hat, kann man auch viel reden und sogar so, dass es klingt, als hätte man Ahnung. Wer hat dir denn den Budhismus vermittelt, dass du da sagst, der sei zum Aberglaube degeneriert? Und trennst du dabei auch umsichtlich Religion und landeskulturelle Einwirkungen?

Edit: Bemerkt jemand mein Avatarbild? Ich finde das super!

Edit2: Achso, du scheinst ja von Magie viel Ahnung zu haben, nach dem, was du immer schreibst. In der Nähe welcher Stadt wohnst du denn? Wir könnten uns mal treffen, ich bin neugierig auf dich, vieles kann ich zwar nicht unterschreiben, aber wir könnten mal schauen.


[Editiert am 21/5/2010 um 16:30 von tyrann2]
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red_folder.gif erstellt am: 21/5/2010 um 16:25  

Zitat:
ich stimme dir grundsätzlich zu - aber nur, weil man maya durschaut hat, heißt das ja nicht, dass man sich selbstzzfrieden unter einen pipal baum setzt und dort stirbt. auch buddha hat sowas wie eine avant-garde begründet, die dann später zur weltreligion wurde. mir geht es darum, die kosmischen kräfte zu katalysieren - denn natürlich geht ES seinen gang und fließt ganz ohne unser zutun, aber eine spirituelle anarchie oder revolution wird von einigen elementen vehement verhindert.


Man kann nicht rational sowas verstehen. Man kann Samsara nicht durch denken und rationale logische Gespräche erkennen oder "durchschauen". Man muss es durch Erfahrung direkt wissen. Für glauben ist da kein Platz, du musst es "wissen", die Zeit ist kurz. Wenn du nie die Leerheit erlebt hast, kannst du auch keine Befreiung finden. Es wäre also unter Umständen gar nicht so schlecht sich mal unter nen Baum zu setzen und still zu sein :-)
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